Worte zum Abschied

Trauerrede BeispieleSieben Reden, die zeigen, wie es klingen kann

Jede Rede erzählt von einem anderen Menschen. Unter jeder steht, was Sie für Ihre eigene Rede übernehmen können.

Trauerrede für die Mutter

Eine Tochter spricht über ihre Mutter, ohne religiösen Bezug. ca. 4 Minuten.

Liebe Familie, liebe Freundinnen und Freunde meiner Mutter, liebe Nachbarn aus der Lindenstraße,

ich danke Ihnen, dass Sie heute hier sind. Meine Mutter hätte gesagt, dass so viel Aufwand doch nicht nötig gewesen wäre. Und dann hätte sie heimlich gezählt, wer alles gekommen ist, und sich darüber gefreut.

Renate Brandt wurde im März 1949 in Göttingen geboren, als zweites von drei Kindern eines Busfahrers und einer Näherin. Sie machte eine Lehre als Industriekauffrau in einer Papierfabrik, und auf einem Betriebsausflug an die Weser lernte sie meinen Vater kennen. 1972 haben die beiden geheiratet, 1975 kam mein Bruder Thomas, 1978 kam ich. Als wir in die Schule kamen, fing sie im Sekretariat der Grundschule in Northeim an. Achtundzwanzig Jahre lang hat sie dort Pflaster verteilt, Elternbriefe getippt und Kinder getröstet, die ihren Turnbeutel vergessen hatten. Viele von Ihnen kennen sie genau von diesem Schreibtisch.

Wer an meine Mutter denkt, denkt wahrscheinlich an ihre Küche. Auf dem Tisch stand immer die braune Kaffeekanne mit dem abgeschlagenen Deckelknauf, die sie nie ersetzen wollte. Wer klingelte, bekam eine Tasse, ob er wollte oder nicht. Sie hörte zu, ohne gleich Ratschläge zu geben, und wenn man fertig war, sagte sie ihren Satz: „Das kriegen wir schon hin.“ Nicht „du“, sondern „wir“. Das war ihr wichtig. Sie hat nie jemanden mit einem Problem allein gelassen.

Sie konnte auch streng sein, das gehört zur Wahrheit. Hausaufgaben wurden vor dem Abendessen gemacht, und wer im Garten Unkraut mit Blumen verwechselte, durfte das Beet noch einmal machen. Ihr Garten war ihr Stolz: die Dahlien am Zaun, die sie jeden Herbst ausgrub und in Zeitungspapier gewickelt in den Keller trug, und die Johannisbeeren, aus denen sie Gelee kochte, bis kein Glas im Haus mehr frei war.

Eine Erinnerung möchte ich mit Ihnen teilen. Als ich sechzehn war, hatte ich meinen ersten großen Liebeskummer und habe drei Tage lang kaum geredet. Am vierten Abend stand meine Mutter mit zwei Fahrrädern vor der Tür und sagte nur: „Komm.“ Wir sind bis zum Badesee gefahren, haben auf dem Steg gesessen und Butterbrote gegessen. Sie hat nichts gefragt. Auf dem Rückweg sagte sie: „Das kriegen wir schon hin.“ An diesem Abend habe ich verstanden, was Trost ist.

In den letzten zwei Jahren wurde sie schwächer. Dass sie bis zum Schluss zu Hause bleiben konnte, verdanken wir vielen Menschen. Ich danke dem Pflegedienst, besonders Frau Kowalski, die jeden Morgen mit einem Lächeln kam. Ich danke Frau Dr. Heider für ihre Geduld. Und ich danke den Nachbarn, die Suppe vorbeigebracht und den Rasen gemäht haben, ohne dass jemand darum bitten musste.

Mama, du hast uns gezeigt, wie man für andere da ist, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Die Kaffeekanne steht jetzt bei mir. Ich werde sie nicht ersetzen. Und wenn bei mir jemand mit Kummer klingelt, dann weiß ich, was ich sage.

Danke für alles. Wir vermissen dich.

Trauerrede für den Vater

Ein Sohn spricht über seinen Vater, mit christlichem Bezug und einem Gebet in eigenen Worten. ca. 4 Minuten.

Liebe Mutter, liebe Familie, liebe Gemeinde, liebe Freunde meines Vaters,

wir sind heute in dieser Kirche zusammengekommen, in der mein Vater fast jeden Sonntag in der vierten Reihe links gesessen hat. Es ist ein seltsames Gefühl, hier vorne zu stehen und seinen Platz leer zu sehen. Ich möchte versuchen, Ihnen zu erzählen, wer er war.

Werner Schulte wurde 1944 in Telgte geboren. Sein Vater kam erst 1949 aus der Gefangenschaft zurück, und so lernte er früh, mit anzupacken. Mit vierzehn begann er eine Tischlerlehre, mit sechsundzwanzig machte er seinen Meister, und 1974 übernahm er die kleine Werkstatt in der Ritterstraße. Im selben Jahr heiratete er meine Mutter Gisela. Wir sind zu dritt aufgewachsen, meine Schwestern Anne und Claudia und ich, zwischen Hobelspänen und dem Geruch von Holzleim.

Mein Vater war kein Mann der großen Worte. Er trug immer einen Zimmermannsbleistift hinter dem rechten Ohr, auch sonntags, wenn er ihn gar nicht brauchte. Wenn wir als Kinder etwas überstürzen wollten, sagte er: „Erst messen, dann sägen.“ Das galt für Bretter, aber auch für Streit, für Geld und für Entscheidungen. Er hat dreißig Jahre im Kirchenvorstand mitgearbeitet, und ich vermute, er hat dort genau diesen Satz öfter gesagt, als manchem lieb war.

Sein Glaube war still und praktisch. Er hat nicht viel darüber geredet, aber er hat die Krippe für den Kindergarten gebaut, die Bänke im Gemeindehaus repariert und jedes Jahr vor Ostern das Holzkreuz vor der Kirche abgeschliffen und neu geölt. Wenn ich ihn gefragt habe, warum er das macht, hat er gesagt: „Einer muss es ja tun.“

Eine Erinnerung ist mir in den letzten Tagen immer wieder gekommen. Als ich zwölf war, durfte ich zum ersten Mal allein ein Vogelhaus bauen. Es war schief, das Dach hielt nicht, und ich habe es wütend in die Ecke geworfen. Mein Vater hat es aufgehoben, sich neben mich gesetzt und gesagt: „Erst messen, dann sägen. Wir fangen noch mal an.“ Wir haben zwei Abende daran gearbeitet. Das Vogelhaus hängt bis heute im Garten meiner Eltern.

Ich danke allen, die meinen Vater in den letzten Monaten begleitet haben: den Schwestern auf der Station im Josephs-Hospital, Pfarrer Lohmann für seine Besuche und seinen Freunden aus dem Kirchenchor, die ihm noch im Oktober im Krankenzimmer ein Ständchen gesungen haben. Er hat sich sehr darüber gefreut.

Ich möchte mit einem Gebet schließen, so wie ich es mit meinen eigenen Worten sagen kann:

Guter Gott, wir geben dir unseren Vater, Ehemann, Großvater und Freund zurück. Du hast ihn uns geschenkt, und wir danken dir für jedes Jahr mit ihm. Nimm ihn auf in deinen Frieden. Sieh auch auf uns, die wir zurückbleiben, besonders auf meine Mutter. Gib uns Geduld mit unserer Trauer und Kraft für die Tage, die vor uns liegen. Amen.

Papa, ruhe in Frieden. Wir fangen ohne dich noch mal an, so wie du es uns gezeigt hast.

Trauerrede für die Oma

Eine Enkelin spricht über ihre Großmutter, ohne religiösen Bezug. ca. 4 Minuten.

Liebe Familie, liebe Freundinnen und Freunde von Oma Hilde, liebe Nachbarinnen aus dem Kirchweg,

ich bin Lena, die älteste Enkelin. Als wir in der Familie besprochen haben, wer heute ein paar Worte sagt, haben alle mich angeschaut. Ich glaube, das liegt daran, dass ich die meisten Sommerferien meiner Kindheit bei ihr verbracht habe. Ich möchte Ihnen von der Oma erzählen, die ich kannte.

Hildegard Krause wurde 1938 in Bremen geboren. Sie hat den Krieg als kleines Mädchen erlebt und darüber selten gesprochen. Nach der Schule hat sie in einer Bäckerei in Vegesack gelernt und dort später den Verkauf geleitet. 1960 heiratete sie Opa Gerd, der Schlosser auf der Werft war. Sie bekamen zwei Kinder, meinen Vater Frank und meine Tante Birgit. 1971 zogen sie in das kleine Reihenhaus in Lilienthal, in dem sie bis zum letzten Frühjahr gewohnt hat.

Wer Oma besuchte, hörte zuerst das Gartentor. Es quietschte, solange ich denken kann, und Opa hat es nie geölt, weil Oma sagte: „Dann weiß ich wenigstens, wer kommt.“ Kaum stand man im Flur, kam der zweite Satz: „Iss erst mal was.“ Es war egal, ob man gerade gegessen hatte. Auf dem Tisch standen Butterkuchen, Kaffee und eine Schale mit sauren Drops, die sie im Supermarkt immer gleich in drei Tüten kaufte.

Oma hat jeden Morgen das Kreuzworträtsel aus der Zeitung gelöst, mit Kugelschreiber, nie mit Bleistift. Fehler hat sie einfach überschrieben, bis das Kästchen ganz blau war. Sie hat dienstags mit ihren Freundinnen Rommé gespielt, dreißig Jahre lang in derselben Runde, und sie hat jedes Jahr im Mai die Geranien vor das Küchenfenster gestellt, keinen Tag früher, wegen der Eisheiligen.

Meine liebste Erinnerung ist ein verregneter Ferientag, ich war vielleicht neun. Oma hat mir Rommé beigebracht, und ich habe fast jedes Spiel gewonnen. Ich war sehr stolz. Erst Jahre später hat sie mir lachend gestanden, dass sie die Joker immer unter ihren Teller geschoben hat, damit ich sie nicht bekomme, und mir dann zugesteckt hat. Sie wollte, dass ich gewinne, aber sie wollte auch, dass ich es nicht merke.

So war sie. Sie hat viel für andere getan und wenig darüber geredet. Als Opa 2009 starb, hat sie ein halbes Jahr getrauert und dann gesagt: „So, jetzt wird wieder gelebt.“ Sie hat mit über siebzig noch einen Computerkurs an der Volkshochschule gemacht, nur damit sie uns Enkeln Fotos schicken konnte.

Ich danke dem Team im Haus am Wümmedeich, wo sie ihre letzten Monate verbracht hat. Sie haben ihr jeden Morgen die Zeitung mit dem Rätsel gebracht. Und ich danke ihren Rommé-Freundinnen, die sie dort jede Woche besucht haben.

Oma, ich werde das Gartentor nicht vergessen und deine Joker unter dem Teller auch nicht. Danke, dass du immer da warst. Mach es gut.

Trauerrede für den Opa

Ein Enkel spricht über seinen Großvater, mit christlichem Bezug und einem Gebet in eigenen Worten. ca. 4 Minuten.

Liebe Oma, liebe Familie, liebe Nachbarn aus Grünkraut, liebe Trauergemeinde,

ich heiße Jonas und bin einer von sieben Enkeln meines Großvaters. Wir Enkel haben lange überlegt, was wir heute sagen wollen, und am Ende festgestellt, dass wir alle an dieselben Dinge denken. Ich spreche also für uns alle.

Heinrich Vogt wurde 1934 auf dem Hof geboren, auf dem er sein ganzes Leben verbracht hat. Er war der älteste Sohn und hat den Betrieb mit einundzwanzig Jahren übernommen, als sein Vater krank wurde. Damals waren es zwölf Kühe und ein paar Hektar Obstwiesen. 1958 heiratete er Oma Maria, die aus dem Nachbarort stammt. Sie haben vier Kinder großgezogen, den Hof Stück für Stück erweitert und 1994 an meinen Onkel Stefan übergeben. Aufgehört zu arbeiten hat Opa allerdings nie.

Wir Enkel kennen ihn vor allem mit seiner grauen Schirmmütze, die er auf dem Kopf hatte, sobald er das Haus verließ. Er stand jeden Morgen um halb sechs auf, auch noch mit achtzig. Wenn wir in der Erntezeit gestresst waren oder uns über etwas aufgeregt haben, sagte er nur: „Morgen ist auch noch ein Tag.“ Er meinte damit nicht, dass man faul sein soll. Er meinte, dass nicht alles an einem einzigen Tag entschieden wird.

Opa war vierzig Jahre lang im Kirchengemeinderat. Sonntags ging er zu Fuß zur Kirche, den Feldweg entlang an den Apfelbäumen vorbei, und er bestand darauf, dass wir mitkommen, wenn wir bei ihm übernachtet hatten. Auf dem Rückweg hat er uns jeden Baum erklärt: welche Sorte, wann gepflanzt, wer damals geholfen hat. Ich glaube, für ihn gehörten der Gottesdienst und die Obstwiese zusammen. Beides hatte mit Dankbarkeit zu tun.

Eine Erinnerung habe ich besonders vor Augen. Ich war vierzehn und durfte zum ersten Mal den alten Traktor fahren. Ich bin prompt in den Graben am Weiher gerutscht. Opa kam langsam über die Wiese, hat sich das angeschaut, die Mütze zurechtgerückt und gesagt: „Den holen wir morgen raus. Morgen ist auch noch ein Tag.“ Dann sind wir zum Abendessen gegangen, und er hat niemandem davon erzählt. Erst an seinem achtzigsten Geburtstag hat er es vor allen verraten, und alle haben gelacht, er am lautesten.

Ich danke im Namen der Familie allen, die Opa in den letzten Monaten besucht haben, dem Hausarzt Dr. Brugger und Pfarrerin Seitz, die ihm noch das Abendmahl gebracht hat. Und ich danke dir, Oma, für über sechzig Jahre an seiner Seite.

Ich möchte zum Schluss beten, mit meinen eigenen Worten:

Herr, unser Gott, du hast unserem Großvater ein langes Leben geschenkt, mit viel Arbeit und viel Freude. Wir danken dir für ihn. Lass ihn nun bei dir ruhen. Tröste unsere Oma, die ihren Mann verloren hat, und uns alle, die ihn vermissen. Hilf uns, dankbar zu bleiben, so wie er es war. Amen.

Opa, wir werden die Apfelbäume für dich pflegen. Ruhe in Frieden.

Trauerrede für den Ehemann

Eine Ehefrau spricht über ihren verstorbenen Mann, ohne religiösen Bezug. ca. 4 Minuten.

Liebe Familie, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Kollegen von Jürgen, liebe Jungs vom Sportverein,

ich habe lange überlegt, ob ich heute selbst sprechen kann. Jürgen hätte gesagt: „Halb so wild, du schaffst das.“ Also versuche ich es. Wenn meine Stimme zwischendurch wegbleibt, haben Sie bitte Geduld mit mir.

Jürgen Meier wurde 1958 in Bielefeld geboren und ist in Brackwede aufgewachsen. Er hat Elektriker gelernt und ist 1979 zu den Stadtwerken gegangen, wo er bis zu seiner Rente geblieben ist. Wir haben uns 1983 auf dem Schützenfest kennengelernt. Er hat mich zum Autoscooter eingeladen und ist mir dreimal hintereinander absichtlich hinten draufgefahren. Ich fand das unmöglich. Zwei Jahre später haben wir geheiratet. 1987 kam unsere Tochter Sarah, 1990 unser Sohn Daniel.

Jürgen konnte alles reparieren. Nachbarn brachten ihm Toaster, Fahrradlampen und kaputte Radios, und er saß abends im Keller an seiner Werkbank und lötete. Er hat nie Geld dafür genommen, höchstens ein Bier. Wenn etwas schiefging, im Haus, im Beruf oder bei den Kindern, sagte er: „Halb so wild.“ Und meistens hatte er recht. Er war der ruhigste Mensch, den ich kenne. Achtzehn Jahre lang hat er die D-Jugend im Verein trainiert, und ich habe ihn am Spielfeldrand nie schreien hören.

Unsere größte Leidenschaft war das Camping. Jeden Sommer sind wir mit dem alten blauen Bulli an die Ostsee gefahren, immer auf denselben Platz bei Grömitz, immer auf Parzelle 42. Jürgen hat morgens als Erster die Kaffeemaschine angeworfen und dann vor dem Vorzelt gesessen, mit Zeitung und einem Becher, auf dem „Chef“ stand. Den Becher haben ihm die Kinder geschenkt, als sie klein waren. Er hat ihn vierzig Jahre lang benutzt.

Eine Erinnerung gehört nur uns beiden, aber ich möchte sie heute teilen. Im Sommer 1985 hat es eine ganze Woche lang geregnet. Das Vorzelt stand unter Wasser, wir waren nass und schlecht gelaunt. Am letzten Abend hat Jürgen zwei Campingstühle unter das Bulli-Dach gestellt, eine Kerze angezündet und mich gefragt, ob ich ihn heiraten will. Ich habe gesagt: „Bei diesem Wetter?“ Er hat gesagt: „Halb so wild.“

Ich danke allen, die in den letzten Monaten für uns da waren. Den Ärztinnen und Pflegern im Klinikum Mitte, unseren Nachbarn Petra und Uwe, die jeden Tag nach mir gesehen haben, und unseren Kindern, die so viel getragen haben. Danke auch an die Kollegen von den Stadtwerken, die ihn bis zum Schluss besucht haben.

Jürgen, wir waren achtunddreißig Jahre verheiratet. Ich weiß noch nicht, wie das geht, ohne dich. Aber ich weiß, was du jetzt sagen würdest. Danke für jeden Tag, auch für die verregneten. Ich liebe dich.

Trauerrede für einen Freund

Ein langjähriger Freund spricht über einen Verstorbenen, ohne religiösen Bezug und mit einer heiteren Erinnerung. ca. 4 Minuten.

Liebe Kerstin, liebe Lea, liebe Familie Albers, liebe Freundinnen und Freunde,

mein Name ist Andreas, und ich kannte Martin seit der fünften Klasse. Für die meisten von uns war er einfach Matze. Kerstin hat mich gebeten, heute etwas zu sagen, und ich habe zugesagt, bevor ich wusste, wie schwer das wird. Matze hätte das lustig gefunden. Er hat immer gesagt, ich rede zu viel. Heute darf ich.

Martin Albers wurde 1971 in Oldenburg geboren. Wir haben uns am ersten Schultag auf dem Gymnasium kennengelernt, weil wir beide die gleiche hässliche Schultasche hatten. Nach der zehnten Klasse ist er abgegangen und hat Kfz-Mechaniker gelernt, weil er lieber mit den Händen arbeiten wollte. Später hat er seinen Meister gemacht und ist dann Lehrer an der Berufsschule geworden. Zwanzig Jahre lang hat er Lehrlingen erklärt, wie ein Motor funktioniert, und vielen von ihnen auch, wie man pünktlich zur Arbeit kommt. 1999 hat er Kerstin geheiratet, 2003 kam Lea auf die Welt.

Matze war jemand, auf den man sich verlassen konnte. Wenn man um drei Uhr nachts mit einer Panne auf der Autobahn stand, rief man ihn an, und er kam. Er hat nie lange gefragt. Er hat nur gesagt: „Passt schon.“ Das war seine Antwort auf fast alles: auf ein Dankeschön, auf eine Entschuldigung, auf schlechte Nachrichten. Seit fünfundzwanzig Jahren spielen wir jeden zweiten Freitag Doppelkopf, und er hat jedes Mal Salzstangen mitgebracht, immer die gleiche Marke, und sie immer selbst aufgegessen.

Jetzt kommt die Geschichte, auf die einige hier schon warten. 1994 haben wir zu fünft eine Kanutour auf der Hunte gemacht. Matze hatte darauf bestanden, die Karte zu führen, weil er der Einzige war, der eine wasserdichte Hülle gekauft hatte. Nach einer Stunde ist er an einer Weide hängengeblieben und samt Kanu umgekippt. Die Karte war weg. Er tauchte auf, pitschnass, mit Entengrütze im Haar, schaute uns an und sagte: „Passt schon. Wir fahren einfach flussabwärts.“ Wir sind abends in einem Dorf angekommen, dessen Namen bis heute keiner von uns kennt. Es war einer der schönsten Tage meines Lebens.

Hinter dem Lachen war Matze ein sehr ernster Freund. Als meine Ehe in die Brüche ging, saß er drei Abende hintereinander bei mir auf dem Balkon. Er hat kaum geredet. Er war einfach da.

Kerstin und Lea, ihr habt ihn in den letzten Monaten mit so viel Kraft begleitet. Danke dafür. Danke auch an seine Kollegen von der Berufsschule, die sein Klassenzimmer heute mit den Bildern seiner Schüler geschmückt haben.

Matze, die Doppelkopfrunde wird nicht mehr dieselbe sein. Wir werden dir einen Platz freihalten und die Salzstangen trotzdem kaufen. Mach es gut, mein Freund. Passt schon.

Trauerrede für eine Kollegin

Ein Teamleiter spricht bei der Trauerfeier über eine langjährige Kollegin, ohne religiösen Bezug. ca. 4 Minuten.

Liebe Familie Lorenz, lieber Herr Lorenz, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Trauergäste,

mein Name ist Michael Dietrich. Ich leite die Abteilung Rechnungswesen bei den Stadtwerken Kassel, in der Sabine Lorenz einunddreißig Jahre gearbeitet hat. Ich spreche heute im Namen unseres ganzen Teams. Viele von uns sind hier, und alle, die nicht kommen konnten, haben mir aufgetragen, Ihnen ihre Anteilnahme auszurichten.

Sabine wurde 1966 in Baunatal geboren. Nach der Realschule hat sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht und ist 1993 zu uns gekommen. Damals wurden Rechnungen noch auf Papier geprüft und in grauen Ordnern abgeheftet. Sie hat drei Umstellungen der Software erlebt, vier Abteilungsleiter und unzählige Jahresabschlüsse. Als ich vor neun Jahren in die Abteilung kam, hat sie mir in der ersten Woche erklärt, wie hier wirklich alles läuft. Ich habe in diesen fünf Tagen mehr gelernt als in jeder Einarbeitung.

Wer an Sabines Schreibtisch denkt, sieht drei Dinge vor sich: die rote Thermoskanne mit Pfefferminztee, die Grünlilie auf der Fensterbank, die sie 1995 als Ableger mitgebracht hat und die inzwischen halb das Fenster verdeckt, und die gelben Klebezettel am Bildschirmrand. Auf einem stand seit Jahren nur: „Erst mal durchatmen.“ Das war auch ihr Rat an alle, die mit hochrotem Kopf in ihr Büro kamen. Erst mal durchatmen, dann schauen wir uns das zusammen an.

Sabine war genau, aber nie pedantisch. Sie hat jeden Fehler gefunden und niemanden dafür bloßgestellt. Neue Auszubildende hat sie unter ihre Fittiche genommen, und mindestens drei von ihnen arbeiten heute noch bei uns, weil sie ihnen am Anfang gezeigt hat, dass man hier gut aufgehoben ist. Privat hat sie gern gewandert, vor allem im Habichtswald, und montags brachte sie oft Fotos von Pilzen mit, die keiner von uns bestimmen konnte.

Ich erinnere mich besonders an den Jahresabschluss 2019. Zwei Tage vor der Frist ist unser System komplett ausgefallen, und die Stimmung im Team war am Boden. Am nächsten Morgen stand Sabine um sieben Uhr mit zwei Blechen Streuselkuchen in der Teeküche. Sie hat einen Plan an die Tafel geschrieben, wer welche Belege von Hand prüft, und über die Liste geschrieben: „Erst mal durchatmen.“ Wir sind pünktlich fertig geworden. Ich bin bis heute nicht sicher, ob das an dem Plan lag oder an dem Kuchen.

Lieber Herr Lorenz, liebe Familie, Sie haben eine Ehefrau, Mutter und Schwester verloren. Wir haben eine Kollegin verloren, die für viele von uns weit mehr war. Danke, dass wir sie so lange bei uns haben durften.

Die Grünlilie steht noch auf der Fensterbank. Wir kümmern uns um sie. Liebe Sabine, danke für alles. Wir werden dich vermissen.

Was alle sieben Reden gemeinsam haben

Sie sind zwischen drei und fünf Minuten lang. Sie erzählen keinen vollständigen Lebenslauf, sondern wählen aus. Und jede enthält mindestens eine Szene, die man sich vorstellen kann: ein Gartentor, eine Kaffeekanne, eine Kanutour.

Genau diese Szenen machen eine Rede persönlich. Der Baukasten zum Trauerrede-Schreiben fragt deshalb nach einer Erinnerung, nicht nach Daten.

Feldblumen auf Leinen

Häufige Fragen

Darf ich eine Beispielrede übernehmen?

Als Vorlage ja, alle Reden sind eigens geschrieben. Die Personen darin sind erfunden. Ersetzen Sie Namen, Orte und Erinnerungen durch Ihre eigenen, sonst wirkt die Rede fremd.

Wie viele Wörter hat eine Trauerrede von vier Minuten?

Etwa 450 Wörter, wenn Sie ruhig sprechen. Die Beispiele hier liegen zwischen 420 und 480 Wörtern.

Was unterscheidet eine christliche von einer weltlichen Trauerrede?

Meist nur Anfang und Ende: Die christliche Rede spricht von Gottes Hand oder endet mit einem Gebet. Lebensweg, Wesen und Erinnerung sind in beiden gleich wichtig.

Wer hält die Trauerrede?

Ein Pfarrer, eine freie Trauerrednerin oder jemand aus Familie und Freundeskreis. Oft sprechen auch zwei Menschen kurz. Stimmen Sie sich ab, damit nicht beide dieselbe Geschichte erzählen.

Kann ich mir ein Gerüst für meine eigene Rede erstellen lassen?

Ja. Unter „Trauerrede schreiben“ beantworten Sie Fragen zu Lebensweg, Eigenschaften und einer Erinnerung und erhalten daraus ein Rede-Gerüst als Text oder PDF.